Nebelschleier legt sich auf mein Gesicht, ich steige ab und atme tief,

mein Leben fühlt sich gut an,nach einer Nacht in der ich nicht schlief

Vögel die zum Horizonte fliegen, Spinnennetze wie ein Teppich im frühen Lichte,

es ist wieder Herbst und so beginnt meine Geschichte.

Ich denke gerne zurück an diese Zeit, an den Moment wo alles stimmt,

Erinnerung,tief in meinem Herzen mich mit auf eine Reise nimmt.

Wenn Ihr nicht mehr da seid,wird es sicher anders sein,

wohin nimmt mich mein Leben mit,von dort an ganz allein

Wenn es Herbst wird bin ich nah bei mir,ich geh an den Ort,wo es begann,

ich kann es fühlen, wir sehen uns wieder irgendwann

 



NEUER BEITRAG : Autismus und Psychiatrie

Neue Beiträge erscheinen meist Sonntags.

Im November hier zu Lesen : " Reisen mit Autismus "




Emails an mich bitte senden an:

tomnetzer4@gmail.com 


Tom auf Instagram 

 

Unser Buchprojekt ( Heisser Lesetipp !) 

Sagst Du auch Alami ?  


Jenseits der Routine - Mit Autismus in die Psychiatrie ?

 

Autismus wird in den Medien oft als eine niedliche Eigenschaft dargestellt.Inselbegabte und Savants werden als typisch autistisch dargestellt.Das sind sie bei weitem nicht. 

Wer selbst von Autismus betroffen ist,oder Angehörige im Spektrum hat,weiss dass diese Menschen oft psychische und körperliche Komorbitäten haben.Hier möchte ich auf die seelischen Beeinträchtigungen eingehen,die sich in Form von Depressionen,Ängsten,Zwangshandlungen und Gedanken,aber auch in Persönlichkeitsstörungen äussern. Persönlichkeitsstörungen und Autismus schliessen sich nicht unbedingt gegenseitig aus,sondern können zugleich vorhanden sein. 

Rücken diese Beschwerden zunehmenst in den Vordergrund und führen zu hohem Leidensdruck für den Betroffenen,aber auch die Angehörigen,so wird häufig ein Aufenthalt in der Psychiatrie erwogen.

Gerade beim ersten Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik löst dies starke zusätzliche Ängste und Befürchtungen aus.Können dort die so wichtigen Routinen und Rituale fortgesetzt werden ? Bleibt genug Raum für Rückzug und Stimming? Wie strukturiert sich der Tag dort ?Was wird von mir erwartet ? Dies sind nur einige wenige Probleme,die Autisten mit in die Klinik nehmen. 

Gewohntes und vertraute Personen verlieren sich schon an der Eingangstür,der Schwelle zu einem neurotypischem Umfeld,in dem auch andere Krankheitsbilder behandelt werden. Es gibt so gut wie keine auf Autismus spezialisierten Kliniken,zumindest im Akutbereich.

Wie habe ich es erlebt ?

Schon beim Einräumen der mitgebrachten Sachen,stellt sich mir ein fremder Mensch vor,mein Zimmernachbar. Ich schreibe nun in der Ich-Perspektive weiter,da dieser Artikel auch ein eigener Erfahrungsbericht sein soll.Aufgeregt räume ich alle Sachen an ihren Ort. Badartikel ins Bad/WC.Der Wasserhahn voll festgetrockneter Zahnpasta ist wohl von heute Morgen.Meine Kleidung in den abschliessbaren Schrank,wohl sortiert.Ich schliesse meinen Schrank ab,zumindest bis ich mein fremdes Gegenüber kenne. Seinen Namen merke ich mir,denn wir müssen uns leider diesen Raum teilen während der nächsten Tage.Und schon hier hebt sich mein Stresslevel. Nun bin ich mit Psychiatrie vertraut,mit meinen fünfzig Jahren,vielleicht auch mein Zimmernachbar,der vom Alter her mein Sohn sein könnte.

Mir bleibt wenig Zeit mich runterzuregulieren,da steht schon das Aufnahmegespräch an.Wer tief im Spektrum ist könnte schon hier Schwierigkeiten haben sich und seine Gefühle überhaupt mitzuteilen. Es wäre hilfreich wenn nahestehende Personen dabei helfen könnten,zumindest zu Beginn des Gespräches,das später aber von Auge zu Auge geführt werden sollte,auch wenn Autisten nicht in die Augen schauen können,laut Medien.

Mir werden neben vielen Fragen zur Erfassung des psychischen und körperlichen Zustandes auch zum Ende des Gespräches Therapien verordnet.Nächstes Problem an diesem so chaotischem Tag. Ich bin mir sicher,dass mich diese Therapien zum Teil überfordern oder nicht effektiv helfen bei meinem Weg der Genesung,wenn man das überhaupt so nennen möchte.

Kunsttherapie,jau,das ist was für mich. Morgenaktivierung in Form eines Spazierganges ist auch OK,doch danach wird es schwierig. Sensorische Integration liegt im Mittelfeld meiner Nützlichkeitsskala.Es geht in dieser Therapie um die Wahrnehmung und Verarbeitung aller Sinneseindrücke ( Hören,Sehen,Tasten usw...).Doch fühle ich nicht schon genug ? Reicht meine Reizüberflutung nicht als optischer und sensorischer Overflow ? Der Raum riecht gut nach ätherischen Ölen und ein an der Decke montierter Sitzsack ist sehr entspannend.Übrigens,Autisten schaukeln gerne ! Also nehme ich diese Therapie mit,im Gegensatz zu Achtsamkeitsübungen,Progressiver Muskelentspannung und Gruppenpsychotherapie.Beim Aufnahmegespräch habe ich wenig Chancen diese Therapien abzulehnen.Trotz meiner zahlreichen Psychiatriebehandlungen höre ich mir immer wieder Depressionsmodelle,Teufelskreise der Vermeidung und weitere psychoedukative Themen an. Die Inhalte sind mir vertraut.Meist verlasse ich die Gruppentherapie mit Overloads und Meltdowns.Ein schlecht gelüfteter Raum in den bis zu zehn Menschen von ihren Eheproblemen oder Alkoholeskapaden berichten führt schnell dazu.Später,zurück aus der Gruppentherapie auf Station versteht keiner was gerade in mir abläuft.Mir werden Skills angeboten,die den Zustand nicht sonderlich bessern.Meist lege ich mich ins Bett,ziehe die Decke über den Kopf und reguliere mich herunter. 

Problem Nachtruhe

Wer kennt es nicht,den Schnarcher im Nachbarbett des Doppelzimmers. Bereits am Ankunftstag sehe ich die Probleme die sich daraus ergeben schon in der Mittagspause.Mein Zimmernachbar legt sich hin und keine zehn Minuten später geht das Geschnarche los.Blutdruck steigt,Adrenalin und Cortisol schiessen mir in den Kopf.Noch kann ich das Problem nicht ansprechen bei der Pflege,was mir ohnehin schon schwer fällt.In der ersten Nacht,in der ich meist sehr wenig schlafe. So beginnt mein Kampf mit dem Lärm bereits um 22 Uhr.Die Nachtschwester verteilt wie so oft Ohrenstöpsel,es gibt sie in Wachs als auch Schaumstoffform.Gemeinsamkeit beider Ohrenproppen?Sie helfen nicht.

Mit dem Pflegeteam ergab sich im weiteren Aufenthalt ein Kampf ums Übernachten im Stationsbad.Stationsbad ? Ja,das Bett kann in den fensterlosen Kachelraum hineingeschoben werden.Toilette ist mit drin.So habe ich einige Nächte dort schlafen dürfen,mit Ausnahmegenehmigung.Auch Notfälle werden dort Nachts untergebracht.Nicht dass ein Zimmernachbar schon Stress ist für Autisten,ein schnarchender ist es umso mehr. Die Situation eskalierte mehrmals und ich fühlte mich nicht verstanden in meinem Empfinden. "Dies ist ein Krankenhaus,kein Hotel", "Ihr Nachbar schnarcht nicht sagt die Nachtwache".Das sind die Phrasen der Stationsleitung,die mir drei Wochen keine andere Lösung bieten konnte und diesen Konflikt sogar im Entlassbericht aufführte.

Autismusfreundlich ist diese psychiatrische Klinik nicht.Zum Glück habe ich auch andere Erfahrungen gemacht und bin auf Empathie gestossen.

Die zahlreichen Therapien sind Stressfaktoren für einen Grossteil der Autisten,die mit Reizüberflutung und Overloads zu kämpfen haben.Fehlt man dort gibt es erneut die Konfrontation mit der Pflege.Nimmt man allen Mut zusammen und lehnt die belastenden Therapien ab stösst man nicht gerade auf Verständnis für diese Art der Selbstfürsorge.

Ich kenne bereits alle Therapiemöglichkeiten,habe sie jahrelang durchlaufen,irgendwann sind sie obsolet finde ich.Klar,Ausprobieren ist wichtig,aber dazu gehört auch Flexibilität und Verständnis in Bezug auf Autismus.Es wäre wichtig individuell zu schauen was gerade hilfreich ist und wo Autisten Rückzug brauchen,aber auch das nötige Maß an sozialen Kontakten.Wer das gut für sich spüren kann,dennoch keine Möglichkeit hat es für sich stückweise in der Psychiatrie anzuwenden,der leidet dort.Er (und sie natürlich genauso) wird sich anpassen im ungünstigsten Fall und alleine dadurch nicht im Einklang mit sich leben dort.

Es geht auch anders. 

Nicht jede Psychiatrie bietet Patienten mit Autismus schlechte Rahmenbedingungen.Wenn auch oft kein Einzelzimmer ermöglicht werden kann,dann jedoch ein gewisses Maß an Rücksicht.Rückzug,aber auch Konfrontation mit sozialen Anforderungen.So hatte ich in dieser Klinik die Möglichkeit Therapien abzulehnen,nachdem ich sie oft besucht habe in meinen Klinikaufenthalten,und wiederum andere öfter besuchen dürfen.So gibt es dort eine Kunsttherapie,die zu so etwas wie meinem "safe-place" geworden ist und mir nebenbei viel Lob einbrachte.Ich nutzte die Zeit dort auch mit Gesprächen über Kunst,Seele und meine Möglichkeit Einfluss auf die Probleme zuhause zu finden.Ressourcenorientiert ist das Stichwort,das nicht nur bei seelischen Problemen angesagt ist,sondern auch bei Autisten.

Der leitende Oberarzt,er hat selbst einen autistischen Sohn,merkte schnell in der Visite dass mir der Raum zu voll war und alleine das zeichnet ihn aus.In der Vergangenheit musste darum kämpfen dass mir Verständnis entgegengebracht wird und auf einmal ging es hier.

Auch hatte ich Mitpatienten im Spektrum die hier individuelle Hilfe erfuhren.Eine Mitpatientin hat während meines Aufenthaltes dort ihre Diagnose bekommen.Was das für sie bedeutet und welche Last von ihr abfiel war augenscheinlich sichtbar.

Ich beantworte gerne Fragen zum Thema Autismus und stationäre Psychiatrie.Mich selbst interessiert Eure Erfahrung. (email-Adresse siehe Titelseite)

Wo kamt Ihr gut zurecht,wo nicht ? Hat Euch das soziale Umfeld in der Klinik eher geholfen oder war es eine Belastung,weil Ihr Euch angepasst habt oder nickend alles mitgemacht habt ?

Ich glaube in den nächsten Jahren wird viel in Bewegung kommen,was stationäre Therapie und Autismus betrifft.Alleine durch die steigende Zahl an Diagnosen.Neurodiversität ist keine Modeerscheinung,sondern das ans Licht kommen der einzelnen Probleme,die auf Autismus oder ADHS z.B. schliessen lassen.Auch die Zeit verändert das Verständnis von psychisch-neurologischen Phänomenen denen wir Namen geben in Form von Diagnosen.

Alles in allem hat mir die Psychiatrie geholfen,wenn auch nicht in jeder Klink,bzw.Aufenthalt.

 

 
 

Reisen mit Handicap

Zugegeben,ich verreise nicht oft,wenn ich dann doch mal meine Reisetasche packe gehört jede Menge Aufregung mit in mein Gepäck. Schon Tage im Vorraus bin ich unruhig,eine Mischung aus Angst und Vorfreude begleitet mich stets auf meinen kleinen Reisen.

So richtig weit reise ich eigentlich gar nicht,ich glaube es geht generell darum,meinen Schutzraum Wohnung für ein paar Tage zu verlassen. In meiner Komfortzone Wohnung fühle ich mich am sichersten,kann die Tagesabläufe in etwa überblicken.

Ausserhalb von Wlan-Reichweite,Badezimmer und Schlafgelegenheit sieht die Sache schon anders aus. Meist verreise ich mit der Bundesbahn,ein Abenteuer sondersgleichen.Züge sind überfüllt (dank günstigem 9 Euro Ticket),Toiletten defekt und -worst case-: Zugausfall...

Doch es gibt auch ein paar Tricks,nicht nur für Menschen aus dem Autismusspektrum,wie die Bahnreise etwas einfacher verlaufen kann.

So bin ich gerade von Niedersachsen nach NRW gefahren,diese Strecke zu meinen Eltern fahre ich regelmässig und regelmässig komme ich auch geschlaucht am Ziel an,immerhin.

Meine letzte Fahrt habe ich nicht alleine verbracht,ein sehr lieber Mensch hat mich begleitet,dem Reisen ebenfalls auch Probleme machen kann. Unterwegs jedoch waren wir zwei bestens abgelenkt.Wir haben uns unterhalten,zusammen geschimpft über all die Hindernisse die da natürlich wiedermal gelauert haben.Und soviel sei verraten,wir bekamen das volle Programm. Zugverspätung,Toiletten im Komplettausfall,überfüllter Zug und pampige Mitreisende. Wäre ich alleine gewesen wäre ich nicht so souverän damit umgegangen. Also, mit mehreren verreisen kann helfen .Bei mir ist nur eine Begleitperson angenehm,Gruppenreisen sind mir ebenfalls ein Gräuel.Die Gruppendynamik und die sich daraus entwickelnden Gespräche strengen mich an.

Was kann noch helfen ? 

Von meiner netten Begleitung habe ich geräuschdämpfende Silikon-Ohrstöpsel geschenkt bekommen.In akkustischen Überlastungssituationen eine gute Sache ,ähnlich Noise-Cancelling Kopfhörer.Man kann sich mit ihnen noch gut unterhalten,hört die Hintergrundszene jedoch gedämpfter.Wer gerade keine hat,muss aufs Taschentuch zurückgreifen.

Beim Umsteigen, sollte genügend Zeit vorhanden sein,verlasse ich gerne die oberne Ebene und gehe in die Bahnhofshalle,bzw. vor den Bahnhof. Was ich immer kritisiere sind teure 1 Euro Toilettenanlagen,aber gerade durch diesen Obulus sind sie natürlich auch etwas sauberer.Also,genug Kleingeld einstecken.

Die DB-App navigiert einen halbwegs passabel vom Start zum Zielbahnhof,informiert über Verspätungen und Ausfälle.Es empfiehlt sich Ladekabel bzw.Powerbank parat zu haben.Eventuell ist sogar das Ticket in der App gespeichert .

Lesen kann ich auf Reisen meist nicht,dazu bin ich zu aufgeregt,schlafen geht auch nicht.

Wer früh losfährt hat bessere Chancen auf leere Sitzplätze,das ist nichts neues.Ein weiterer Vorteil sind noch menschenleere Bahnhofsvorplätze und Bahnhofshallen.

Reisen mit Asperger und Zwangsstörung sind für mich nach wie vor Leistungssport.aber diese Tips erleichtern es ein klein wenig. Eine Reise genieße ich seltsamerweise erst immer hinterher.In meiner Erinnerung laufen dann die erlebten Situationen vor meinem inneren Auge ab.In der Situation selbst fühle ich mich unwohl.Für manche Momente scheint mir mein Kopf viel zu langsam ,in anderen Situationen jedoch wieder blitzwach.

Irgendwo dazwischen befinde ich mich heute,als ich diese Zeilen schreibe.Sage und Schreibe zwei bis drei Tage brauche ich ,um mich von einer sechstägigen Reise zu akklimatisieren.

Zuhause angekommen bin ich sehr angespannt und ordne,putze meine gesammte Wohnung um dieser Anspannung Herr zu werden. Nicht allen Aspies fällt Reisen schwer,einige lieben es und stürzen sich in viele Urlaube  ,ich gehöre weniger dazu.

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine schöne Ferienzeit ! Ich werde jetzt erstmal ein paar Kurzurlaube machen,in Form von Radtouren.Das ist mir die angenehmste Art zu reisen im Leben und wird sie wohl auch immer bleiben.

In diesem Sinne, bis bald,Euer Tom 

 

 
 

Liebe(n) mit Autismus ?
 
Während ich diese Zeilen schreibe denke ich an den Besuch einer sehr lieben Person gestern zurück. Wir haben uns nicht irgendwo getroffen,sondern im Zentrum meiner Angst und Zuflucht,nämlich bei mir zuhause.Damit sind wir auch schon mitten im Thema.
 In meinem Krankenhausbericht stehen neben Depressionen und Autismus (ASS) auch Zwang-bzw.Angststörung.
Wer mich kennt weiss dass ich möglichst niemanden in mein Leben und noch weniger in meine Wohnung lasse. Alleine die halbjährlichen Ablesungen der Wärmezähler stressen mich ungemein.
Mein Tag beginnt mit hoher Anspannung und im Sommer mit zuviel Licht .
Ich beruhige mich erst allmählich,beim Putzen meiner Wohnung,Duschen,Essen vorbereiten und Einkaufen.
Vor einem halben Jahr habe ich es geschafft auch an bis zu drei Tagen in eine Tagesstätte zu fahren.Zur Zeit mit 9 Ticket eine qualvolle Anreiseerfahrung. Ich treffe also vermehrt auf Menschen.Zum Glück kommt keiner davon in meine Wohnung.
 Nun habe ich mich gerade halbwegs mit meinen Putzzwängen arrangiert,dass ich zumindest das Haus verlasse und irgendwo hinfahre,da passiert mir etwas wunderschön,unglaubliches.
Ich lerne einen lieben Menschen kennen,Stück für Stück.
Weil mir das nicht oft passiert und ich mittlerweile schon die Mitte meines Lebens statistisch weit überschritten habe tue ich mich damit schwer.
Ich möchte Zeit mit dem Menschen verbringen,dem ich tief in die Augen schauen darf,der mich erstaunlich gut versteht.
Nun führe ich ein sehr introvertiertes,zurückgezogenes Leben mit möglichst wenig Veränderung von Aussen (und Innen ),da wirft mich mein Gefühl auf die Fahrt mit der Achterbahn.
Um die Höhen und Tiefen auszugleichen versuche ich meine Probleme zu kommunizieren und die Signale der Liebe zu verstehen.Das fällt mir schwer. Ich weiss mich nicht zu verhalten und wie ich die Zeit,die ich mit dem lieben Menschen verbringe aufbringen kann.Da ist ein Zwang,da ist eine Angst und da ist ein Körper,der mit mir gerade macht was er will.
Sich immer in der Öffentlichkeit zu treffen geht natürlich,aber meine große Liebe möchte mich ja auch mal "privat" kennenlernen.
Ich nehme allen Mut zusammen,nachdem ich zwei Overloads und einen Meltdown plus Sonnenbrand hinter mir hatte und fahre mit der Liebe im Kopf und realen Person in meine Wohnung.
Mr.Zwang,den die aufmerksame Seelenreise-Leserin und Leser schon kennt erwartet mich bereits .
Ich stemme mich gegen die Tür und schwups ist die Liebe in Person und nebenbei Ich in der Wohnung.
Hier fängt die grosse Angst an.Welche Möbel werden bewegt ?,aus welchem Teller wird gegessen?,wieviel Krümel,Staub und alles was zwei Menschen von sich geben verunreinigen mein Gesamtkunstwerk,was leider meine Wohnung ist.
Es ist Teil meiner Persönlichkeit,dass ich mich mit Zwängen,Ritualen hier beruhige,nun geht es nicht.
Ich bringe allen Mut und Kraft auf.
Mehr möchte ich nicht verraten.Jedenfalls habe ich es geschafft.
Am nächsten Tag nachdem Mr.Zwang wieder mit mir alleine ist schimpft er mit mir.Ich setze mich hin und verhandel mit ihm .
Ich erzähle dass mir meine Liebe wichtig ist und erfahre von ihm,dass er mir hilft meine Bilder zu malen.Möbel zu restaurieren und Fahrräder zu Schrauben.
Zum ersten Mal erfahre ich dass er mir geholfen hat zu Überleben.
Wir einigen uns dass ich Zeiten habe,in denen ich Besuch empfangen darf.
Er erzählt mir,was die Angst sonst mit mir macht und darauf möchte ich Rücksicht nehmen.
Vielleicht war der Tag einfach auch zu anstrengend.24 Stunden ohne Rituale,wow was für eine Leistung.
Es ist eine spannende Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben.
Liebe mit Asperger UND Zwängen ist möglich,wenn auch sehr schwer.
Es kommt auf den Menschen gegenüber an,ob sie es weiss was im Innern meiner Seele ,meiner Synapsen stattfindet.
Es ist keine klassische Liebe,aber wer führt die schon ?
Ich bin froh um jeden Tag den ich mit meiner eigenen Geschichte wieder etwas heller gestalten kann.
Selbstverständlich ist das nicht.
Mr.Zwang ist mit dabei,vielleicht wird er etwas weniger aktiv,wenn er sieht,dass nichts passiert,wenn jemand von meinen Tellern ist.
Lieben mit Asperger ist eine hohe Herausforderung,scheinbar habe ich sie gerade aufgenommen.
So erfährt die Leserin am Ende meiner Kolumne leider nicht,ob es immer möglich ist oder wie es geht.
Denn : Kennst Du einen Autisten,kennst Du nur einen Autisten.
Aber auch wie Dr.Brita Schirmer sagt :Nichts ist unmöglich, Autismus !

Wer trotzdem mehr Informationen und Hilfestellung sucht kann sich ja mal folgendes Youtube Video anschauen :
 

 



 
 

Ein kleines Rad im Getriebe

 

Meine Hände riechen nach Motoröl während ich die einzelnen Teile eines alten Mopedmotors auf der Werkbank sortiere.Ich schaue aus der Garage nach draussen,es ist Sommer und eigentlich könnte alles perfekt sein an diesem Tag.

Ich versuche mich zu beruhigen und meistens gelingt mir das sehr gut,hier in meiner kleinen Garage.Zwischen meinen alten Mofas und Fahrrädern einer längst vergangenen Zeit fühle ich mich sicher und geschützt. Geschützt vor der Welt um mich herum,die sich immer schneller verändert.

Zuerst musste ich mich auf Coronamaßnahmen einstellen,das hat lange gedauert.Ich glaube,es hat nur funktioniert weil mir Orte und Tätigkeiten die mir vertraut sind geblieben sind.

Unter der Isolation habe ich schon etwas gelitten,aber hier in meiner Garage war ich vor all dem bewahrt. Bewahrt vor der Verunsicherung und Einschränkungen.

Während hier für mich die Zeit ein wenig still steht und ich Ruhe finden kann,überschlagen sich die Ereignisse ausserhalb meiner kleinen Welt.

Am frühen Abend lese ich oft,was in der Welt um mich herum für mich von Bedeutung sein könnte.Viele Informationen kann ich schlecht filtern und sauge sie gerne wie ein Schwamm auf.Leider merke ich oft zu spät,dass es mir schadet.Auch kann ich deren Wahrheitsgehalt und Stellenwert ganz schlecht einschätzen.

Durch den Klimawandel haben sich in den nächsten Jahren viele Veränderungen angekündigt,die mir erstmal Angst machen.So sollen alle mit Benzin betriebenen Fahrzeuge ersetzt werden durch lautlose,sauberere,akkubetriebene Fahrzeuge.

Meine Mofas und mein Roller brauchen leider Benzin und tragen auch zum Klimawandel bei.Das war mir immer schon klar.Ich habe mir erlaubt,Sonntags mal damit zu fahren,als Auszeit von einer Woche Fahrradfahren,Putzen,Werkeln und vor allem Angst haben.

Ich mag auch alte Fahrräder,aber mit einer Vespa zu fahren ist für mich ein Stück Lebensqualität.Zumal ich das gute Stück selbst restauriert habe und jede Schraube bis hin zum kleinsten Zahnrad kenne.Ich höre wie der Motor funktioniert und war bisher ein wenig stolz,dass ich mich damit auskenne. 

All das könnte bald vorbei sein,vielleicht schon in wenigen Jahren.Moderne akkubetriebene Fahrräder,Roller sind längst willkommener als meine alten Blech-Knatter-Mobile.

Selbst Fahrräder sind heute elektrisch und meine bisherigen Kenntnisse hören bei einer Nabenschaltung und Lampen vorne und hinten auf.

Kurz gesagt,alles was ich mir beigebracht habe,all meine Freuden und kleinen Inseln in diesem grossen Chaos scheinen unterzugehen.

Ich fühle mich falsch und nicht mehr gebraucht in dieser Welt,noch mehr isoliert und "anders" als ich es ohnehin schon bin.

Diese Angst wird mir wieder bewusst,stürzt mich in einen tiefen Abgrund.

Ich versuche mir zu helfen,begebe mich wieder ins Internet.Tagelang lese ich in Foren und Wissenschaftsmagazinen.Noch nie habe ich soviel über CO2 Emissionen und alternative Antriebe gelesen.Ich erlebe eine Achterbahnfahrt der Gefühle,Nachrichten und Meinungen lassen mich abstürzen oder geben mir kurz Hoffnung.

Am Ende bleibt ein grosses Fragezeichen.Mein Akku ist leer. Ich fühle mich erschöpft und abgekämpft.Tagelang habe ich innerlich versucht mich zu stabilisieren zu Retten,zu Schützen vor den Veränderungen in der Welt. 

Was bedeutet das für mich? Habe ich ein Recht,meinen Tag weiterhin so zu gestalten ?

Bin ich willkommen so wie ich bin ?

Geblieben bin ich der Gleiche.Meine Freuden und Gefühle kann ich schlecht ändern oder abstellen.Es geht kurzfristig,langfristig werde ich immer depressiver dadurch.

Ich bin derjenige geblieben,der alte Fahrräder und Mofas restauriert,der gerne mit öligen Fingern Zahnräder sortiert und sich dabei wohlfühlt.

Mir fallen schöne Situationen ein,vor einigen Wochen habe ich mit dem Sohn meiner Nachbarin das Fahrrad repariert.Er war begeistert von mir .Begeistert sind auch Menschen,die mal kurz Einblick in meine kleine Welt erhalten.

Manchmal sitze ich dann auf dem Boden am Garagentor,poliere altes Eisen,während eine Frau,die zwei Häuser weiter wohnt sich mit mir unterhält.Sie kommt öfter mal vorbei und spricht gerne mit mir.

Ein anderer Nachbar bekommt von mir Ersatzteile für seine alte Fünfgang-Nabe,während eine Frau,die mein Mofa sah,sich an früher an ihre Jugend erinnert hat.

Das sind Momente,in denen ich mich zwar anders,aber dennoch bestätigt in einigen Teilen meiner kleinen Welt fühle.

Leider sind solche Momente selten,weil im Alltag der Kontakt zumeist über Floskeln und smalltalk verläuft.Wir setzen Masken auf und bewegen uns dabei immer schneller und kontaktloser zu uns selbst durch die Welt,denke ich manchmal.

Wie und wo gibt es das,das Gefühl in seiner Welt angenommen,angekommen zu sein ?

Wie riecht es dort,welche Geräusche sind zu hören ?

Was auch immer geschieht um mich herum,ich bin nur ein kleines Zahnrad in einem grossen Getriebe. Aber es ist schön,wenn dieses Zahnrad seine Berechtigung hat ,egal was auch passiert.

Meinen Motor bekomme ich heute nicht fertig,aber das macht nichts,ich lasse mir Zeit.

Ich bin dankbar für jeden Tag in meiner kleinen Welt.

 

 


Die,die nie nachhause geht

Du kennst von früh bis spät die tiefen Schmerzen, kleines Mädchen mit zerstörtem Herzen. 

Die,die du nachts nicht schlafen kannst wenn die Schatten nach dir greifen und das Feuer in deinen Wunden brennt.Von vielen die einzige die nicht nach Hause rennt .

Die,die verloren zwischen all den anderen steht ,dringen die Schreie in ihre Ohren bis sie verstummt und wartet bis das Unheil geht .

Am nächsten Morgen beginnt das ganze Spiel von vorn, Qualen die sich ihrer Seele offenbaren, böses Spiel, ob sie jemals wieder lacht wie einst weiß keiner. Doch wenn sie ihre Augen schließt dann spürt sie ihre Macht und die Ängste werden kleiner.

So steht sie ganz alleine da, nimmt all ihre Verzweiflung wahr, schreit und beißt und wirft es raus. Kleines Mädchen am Ende ganz allein in einem großen Krankenhaus.

Kennst Du die,die nie nachhause geht ? Sie fürchtet sich und kommt zu spät .


 

Portrait " Junge Inderin " 2023, Öl ca.80 *60 cm

" Amy Winehoue " (2023) 80*60 cm


 " Tiger " (2024) 70*90 cm     

" Red Passion" (2024) 40*30 cm




Leben mit Kunst


Noch einmal schaue ich mir alles an,mein Herz schlägt ruhig,ich fühle mich ausgeglichen und bin zufrieden mit meiner Arbeit.Fast zwei Jahre liegen zwischen den ersten Arbeiten und der Fertigstellung.
Man könnte fälschlicherweise annehmen ich hätte ein Haus gebaut,ein altes Automobil restauriert oder eine Ausbildung absolviert.
Nein,ich habe lediglich das Schlafzimmer einer Zweiraum-Mietwohnung renoviert.
Es geht in diesem Beitrag nicht um eine Glanzparade der einzelnen Arbeiten,so zeige ich hier auch keine Fotos,das wäre mir allerdings auch zu intim.

Was bewegt Menschen aufwändige Werke zu schaffen,die in keiner Relation von Zeit und Ökonomie einen Sinn ergeben?Vielleicht dienen sie ästhetischen Gesichtspunkten oder einer Form von Ausdruck,das mag schon eher sein.
Betrachter,die aus der Schulmedizin stammen,nennen mich vielleicht zwanghaft,selbstbezogen oder autistisch.Andere formulieren es netter und verpacken es in ein Lob. Wiederum andere möchten unbedingt Werke von mir besitzen,ob der Preis,den ich dafür nehmen müsste verträglich ist,das steht auf einem anderen Blatt.

Kunst kann nicht rational erklärt werden,ich glaube auch,jeder Mensch ist auf eigene Art ein Künstler,oder kann einer werden,wie schon Joseph Beys sagte.
Ja,ich beschäftige mich auch zwanghaft mit und in der Kunst,ich bin selbstbezogen und autistisch,aber das spüre ich zu keinem Zeitpunkt während des kreativen Prozesses.
Ich fühle einen Spannungsbogen,eine sich aus Angst und Vorstellung ergebene Nervösität die mich während der Arbeit begleitet,das manchmal auch über zwei Jahre bei einem(!) Objekt.
Würde nicht hinterher diese Anspannung abflachen und in Akzeptanz und Ausgeglichenheit enden,würde ich aufhören mich weiterhin auf diese Art auszudrücken.
Wer sich selbst z.B.mit Malerei beschäftigt und ausserhalb des,nennen wir es künstlerischen Spannungsbogen befindet,der kann schnell die Freude und den inneren Impuls,der ihn an ein Objekt bindet verlieren.
Nicht immer enden meine Arbeitsschritte in Wohlgefallen,ein Ausgang mit Enttäuschung,Wut oder Verzweiflung ist ebenso möglich.
Mir half die Zeit und das "Dranbleiben",meistens konnte ich so ein für mich angenehmen Umgang mit Kunst finden.
Künstler sind egozentrisch und überschätzen sich selbst ? 
Müssen sie das nicht zumindest zeitweilig sein ?
Wären sie nur am Äusseren orientiert und dabei selbstzufrieden im Sessel sitzen,wo blieben da die Spannungsbögen ?

Mein grösster und aktueller Spannungsbogen erstreckte sich über zwei Jahre,fast ausschliesslich mit der Gestaltung eines Raumes verbracht.Dies in jedem Detail.
Ich glaube,ich habe nichts unverändert gelassen und mich auch an neue Techniken gewagt.
Da flog schonmal die Sicherung aus dem Kasten,da stockte die Nähmaschine und tropfte Oxidationsmittel auf darunterliegende Stoffe.
Im Gegenzug gestaltete ich Möbel,Sitzauflagen,Rückenpolster,begehbaren Kleiderschrank und ein Wandpaneel mit Elektroinstallation.
Meine Seele wurde wieder akut krank,es gab also mehrere Unterbrechungen mit Klinikpausen.Selbst dort ließ mich dieser Raum nicht los.
Loslassen habe ich trotzdem geübt,loslassen von immer wieder den gleichen Techniken und auch mal was unbekannteres gewagt.
Letzteres ist sehr befreiend und ich kann es als probates Mittel bei Zwangsstörungen empfehlen.
Nicht empfehlen kann ich einen langwährenden Spannungsbogen in der Kunst für Künstler,die an selbstverletzendem Verhalten,Suizidgedanken oder besonders schweren Depressionen leiden.
In solchen Zeiten helfen mir lediglich überschaubare Arbeiten mit nicht allzu lange auf sich wartendem Erfolgserlebnis.

 

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Diagnosen - Odyssee 

Wer meinen Blog besucht fragt sich wahrscheinlich,von welcher Behinderung oder Krankheit mein Leben beeinflusst wird.
Ehrlich gesagt,ich auch.
So habe ich von Anfang meiner psychologischen,neurologischen und auch pharmakologischen Behandlung an,auf eine genaue Diagnose gehofft.
Eine Diagnose beschreibt aus medizinischer Sicht,die Gefühle,das Denken und die körperlichen Symptome eines Menschen.
In entsprechenden Manualen werden diese Diagnosen aufgeführt und unterliegen ständigen Veränderungen oder Erweiterungen.

Im Jahre 1993 kam ich in Behandlung, mein körperlich kachektischer Zustand  deutete auf akute Magersucht hin.Damit einhergehend litt ich an Depressionen und einer Zwangsstörung.
All diese Symptome wurden fleissig aufgelistet und von Arzt zu Arzt,von Klinik zu Klinik,in meiner Krankenakte mitgeschleppt.
Die entsprechenden Kürzel lauten z.B. F 50.0 - Anorexia nervosa ,oder F 33.2 - Rezidivierende Depression ohne psychotische Symptome (nach ICD-10 ) 
Später fasste man alle einzelnen Symptome zusammen,zur sogenannten kombinierten Persönlichkeitsstörung ( F 60 ) .
Zwanzig Jahre gingen ich und meine Behandler von dieser Diagnose aus.
Mir blieben viele Gefühle ,Erlebnisse der Kindheit damit nicht deutbar .
Irgendwo gab es immer ein riesengrosses Fragezeichen in mir ,wie eine verschlossene Tür. 

Erste Hinweise

Vor fünf Jahren sprach mich ein gegenüber wohnender Nachbar an.
Klar,er erlebt ja Teile meines Lebens mit,zumindest die,die von aussen soweit sichtbar sind.
So sprachen wir kurz auf der Strasse und er erzählte mir von seinem Sohn.
Sein Sohn hat das Asperger-Syndrom,er besucht eine Grundschule der Lebenshilfe .
Im nächsten Satz frug er mich,ob ich auch Asperger hätte und wie ich damit klarkomme.
Asperger? Ich wusste dass dies eine Bezeichnung für eine eigene Form von Autismus ist, aber mir selbst hätte ich niemals Autismus zugeordnet.
Autisten sprechen nicht,sind irgendwie total woanders und können Dinge nicht,die ich noch auf die Reihe bekomme,dachte ich.
"Nein,ich habe kein Asperger.Ich lebe gerne alleine so, wie ich lebe, komme nur in die Klinik aufgrund von Erschöpfung,Depressionen,Zwängen,halt wenn mir das alles zuviel wird..."
Genau dieses "Zuviel werden" war mir nie erklärbar und sollte es noch zwei Jahre bleiben.

Test ?

Meine Psychologin,die mich seit über zehn Jahren begleitet sprach mich im Sommer schliesslich auf etwas an.
Es war Sommer,denn ich erinnere mich genau an das Licht,welches durch ihr Fenster fällt und von blauen Glassteinen auf der Fensterbank gebrochen wird.
Zuvor schickte ich Ihr in der Ferienzeit eine Karte mit Gemälde Ihrer Eingangstür der Praxis und dem kleinen Haus als Zeichnung auf dem Umschlag.
Sie kannte bereits meine Malerei und so einige andere Gewohnheiten und Lebensweisen von mir.
Sie frug mich,wie ich solche Bilder male,ob ich Vorlagen verwende.Dieses Bild hatte ich jedoch aus der Erinnerung gemalt.
Mein genaues Beobachten sind kein fotografisches Gedächtnis,aber es kommt in die Nähe dessen.
Ich merke mir auch Zahlen,Autokennzeichen und Telefonnummern mithilfe optischer Bilder. 
Von Zeit zu Zeit kann ich mir die Gesichter meiner Mitmenschen jedoch nicht bildlich vorstellen.
Ihre Kleidung schon eher und auch die Namen bleiben lange in meinem Gedächtnis.

Sie bat mich letztendes in dieser Sitzung,mich mal auf Asperger-Autismus testen zu lassen und gab mir Adressen.
Ich meldete mich auch in einer Praxis in Bremen an,mit sehr langer Wartezeit.
Diese Wartezeit alleine war die bis dahin befreienste Zeit meiner Jahre mit der Behinderung,welchen Namen sie auch immer trägt.
Die Erfahrungsberichte,im Internet,die Bücher,die ich über Asperger las,waren zum Teil wie meine eigenen Worte.
Phänomene,die mir bislang kein Arzt erklären konnte,wie etwa meine Reizüberflutung wurden dort sehr ausführlich beschrieben.
Später im Text schreibe ich noch etwas ausführlicher darüber.
Eine Mitpatientin,einer psychiatrischen Station sprach mich an,ob ich auch Asperger hätte und damit traf ich die erste reale Person im Leben,die mit mir darüber sprechen konnte.
Wir sind heute noch in Kontakt und darüber bin ich froh,ich wünsche ihr noch viele schöne Jahre im Leben,denn sie ist etwas jünger als ich .
Sie hat die Diagnose in dem Alter bekommen, in dem ich "krank" wurde,oder zumindestens nach aussen sichtbar leide.
1993 gab es die Diagnostik noch nicht in der Form,wie es sie heute gibt.

Die offene Tür  - Die Diagnose -

Youtube yourself ?
Nachdem ich unglücklich die Treppe,sagen wir,runtergerutscht bin,habe ich erstmal Google gefragt ob ich jetzt Rippenbrüche oder nur Prellungen habe.
Noch ausführlich können mir so manche Youtubevideos Informationen via Glasfaserkabel ins Wohnzimmer schicken.
Da findet der Fragende mittlerweile Antworten auf seltene Problemsituationen und zum Teil hilfreiche Anleitungsvideos.
So weiß ich,bevor das Gewinde reisst,ob die Mutter am Polrad meines Rollers Links-bzw.Rechtsgewinde hat oder wie ich zuhause selbst einen Vorhang abnähe.
Dieses Phänomen,sich selbst vor jedes Problem,vor jede Aufgabe zu stellen und es mithilfe von Youtube im Do-it-yourself-Verfahren zu lösen hat aber auch Schattenseiten.
So wollte ich vorgestern die Bremsflüssigkeit meines Chinarollers neu befüllen,wozu ich mir ein praktisches Entlüftungskit gekauft habe.Bisher habe ich Bremsen nach dem herkömmlichen Verfahren (Pumpen,öffnen,schliessen,nachfüllen usw.) entlüftet.Ich fülle also die aggressive Bremsflüssigkeit in den Bremsbehälter,setze die billige Vakuumpumpe an der Bremse an und versuche so meine Bremse zu befüllen.Fazit,ich wurde so aggressiv wie die Bremsflüssigkeit,überall liegen durchnässte Lappen,die Brühe läuft übers Fahrzeug und meine Stimmung wird jäh ausgebremst.
Am nächsten Tag,mit viel Abstand,muss ich mir eingestehen,daß ich selten Bremsen befülle und noch seltener so eine Pumpe benutzt habe.Der Youtube Influencer,der dieses Tool empfohlen hat konnte scheinbar spielend an seinem Motorrad damit operieren,bei mir liegt dieses Ding erstmal im hintersten Winkel meiner Garage.Andere Nutzer schreiben,daß ihnen dieses Teil auch nicht geholfen hat und sie nach der alten Methode arbeiten.
Seit es Youtube-Anleitungen gibt setze ich mich selbst nochmehr unter Druck,alle Arbeiten im Selbsthilfeverfahren lösen zu wollen.Ist das realistisch ? Ich bin weder Kfz-Experte,noch Schneider,noch IT-Fachmann,ich bin Otto-fast Normalverbraucher.
Ich glaube es ist immens wichtig für sich selbst auch darin eine realistische Einschätzung zu treffen.Muss ich das jetzt sofort können,was mir zum Teil erfahrene,gelernte Menschen da vermitteln wollen ?Sind es überhaupt Fachleute oder nicht doch dazu selbsternannte Koryphäen,die beeindruckende Namen haben,wie Roller-Rolf,Scooterdoc99 etc.
Viele dieser Youtuber sind schlichtweg Halbwissende,Hobbyjournalisten.Letztendlich bin ich es selbst ja auch,als Betreiber dieses Blogs.Deshalb gebe ich ungern Ratschläge auf Youtube oder filme mich dabei,wie ich male oder an Zweirädern arbeite.Das würde mir die Freude daran nehmen.Es ist sicherlich sinnvoll daß einige Videos gepostet werden,weil sie wertvolle Informationen und Tips enthalten,doch es bleibt nicht aus für sich selbst zu überprüfen ob es bei einem Problem weiterhilft.
Ganz zuletzt finde ich wichtig,sich selbst nicht abzuwerten,wenn man etwas nicht schafft,oder auch selbst mal keine Lösung findet,trotz Youtube und dem allwissenden Google.Wozu gibt es gelernte Experten,Werkstätten,Arztpraxen und vor Ort ansässige Institutionen die weiterhelfen ?Früher musste man in eine Werkstatt,in eine Apotheke und hat dort von Mensch zu Mensch miteinander gesprochen.
Youtube kann nicht alles,vor allen Dingen kann es nicht die eigene Erfahrung und Übung ersetzen.
 


Eine gute Zeit
(Herbst 2019,Bremen)









Ich sitze am Fenster und schaue hinaus in den Herbstmorgen.Der anfängliche Optimismus nach meiner Entlassung schwindet hier zuhause manches Mal schnell,viel zu schnell.
Noch hält er an.

Zuvor :
Nachdem ich im September die Autismustherapie wieder aufgenommen hatte lief es kurze Zeit gut hier zuhause,an jenem Ort der mir Rückzugsmöglichkeit und Schutz gewährt,aber auch Schauplatz von Zwängen und Ängsten ist.
Wir überlegten in Therapiegesprächen,welche Aktivitäten ausserhalb mir helfen könnten und so nahm ich Kontakt mit der Tagesstätte auf,in der ich mehrere Jahre Klient war.
Zusammen mit meiner Therapeutin ging es mit dem Auto also in den Südkreis.Im Gespräch dort tauchte verständlicherweise auch die Frage auf,welche Aufgabe meine Therapeutin des Autismustherapiezentrums hat,wie ich zu der Diagnose kam und warum sie mich begleitet hat.
Genau dieser Moment hat mich innerlich wieder in einen tiefen Konflikt mit meinem Gewissen gebracht.Ich hielt anfangs noch dagegen und meine Therapeutin hat meine Situation sehr gut darstellen können.Der Tag hätte entspannt enden können,tat er aber nicht.
Zwei Tage später,mitten im Alltag erreicht mich eine email,unerwartet.Den grössten aber nicht letzten Fehler hatte ich zuvor begangen.Ich schrieb einem Chefarzt einer psychiatrischen Abteilung,der zu Beginn meiner Behandlung in den 90ér Jahren für mich zuständig war eine email.Meine Frage,ob er sich aus damaliger Sicht eine Autismusspektrumstörung bei mir erklären könnte,beantwortete er nicht ganz klar,zumal er sich nur vage an mich erinnern konnte.
Aus seiner Sicht hielt er es für wahrscheinlich,aber alleiniger Grund meiner Schwierigkeiten könnte das wohl nicht sein.
Jetzt fragen sich viele,weshalb mir diese Diagnose so wichtig ist,wichtiger als jede andere der vielen,die ich hatte.In meinen Arztbriefen tauchte von Schizophrenie über Borderline und posttraumatischer Belastungsstörung so ziemlich alles auf. Nun,diese Diagnose gibt mir das Gefühl,so in Ordnung zu sein wie ich bin.Fast meine gesamte Lebenszeit begleiten mich Rituale,Zwänge,Depressionen und sehr sonderbare Eigenschaften.Sie ist eine sehr gute Erklärung für die meisten meiner Probleme,hier im Alltag,nicht die alleinige,aber dennoch ausreichend genug für mich (?)
Mehrere Jahrzehnte in der Psychiatrie verbrachte Zeit geben genügend Raum zum Zweifeln an sich und seinen eigenen Gefühlen.Ist das krank,was ich fühle? Sind meine Zwänge die Ursache,die Folge,die Begleiterscheinung von Was-auch-immer ?Halte ich mich selbst krank,oder ist meine Schnittstelle zur Aussenwelt so anders,dass ich im Leben nur mit immensem Kraftaufwand und gerade diesen Mitteln zurechtkomme ?
An diesem Tag plagte mich mein Gewissen so sehr,dass ich mich etwa 90 Minuten später in einer geschlossenen Akutstation der zuständigen Psychiatrie befand.
Fehler Nummer zwei.
Der zuvor hinzugerufene Psychiater vom sozialpsychiatrischen Dienst frug mich nach meiner Einstellung zum Leben.Nein,suizidal war ich nicht,aber in so einem schlechten Zustand,dass es zumindest in meinen Akten stand,die mit mir zusammen im Rettungswagen zur Klinik gebracht wurden.
Ich konnte kaum berichten,was passiert war,ich verlor wieder meine Stimme und zweifelte mich selbst so stark an,dass ich zum Schatten meiner selbst wurde.
Die Station durfte ich nicht verlassen,ich bekam leider keine Gespräche und viele Missverständnisse prägten diesen neun Tage dauernden Aufenthalt.Es war die Hölle für mich,denn in meinem Ausgang eingeschränkt zu sein,mit vielen anderen Patienten und einem davon ständig im Doppelzimmer zusammen,liessen mich an einen absoluten Tiefpunkt kommen.
Mit dem Smartphone konnte ich mich quasi befreien,trotz sehr schlechtem Empfangs durch die dicken Wände,die für mich noch dicker waren.Die Psychiaterin einer Bremer Klinik,die seit vier Jahren für mich zuständig ist (und die Diagnostik bezüglich Asperger befürwortet hat) ermöglichte mir eine Übernahme in ihre Klinik.Binnen 24 Stunden musste ich mein Gepäck nachhause bringen,dort alles für die weitere Therapie in Bremen packen,Formulare ausfüllen,mit Nachbarn sprechen und aufgrund des Stresspegels nochmehr putzen,als ohnehin schon.
 
Auf einem Donnerstag kam ich in Bremen nach einer zuhause schlaflos verbrachten Nacht an.
Zum ersten Mal wären mir fast die Tränen gekommen,die schon lange nicht mehr sichtbar sind,warum auch immer.
Ich saß am Fenster,am Ende vom Flur schaute in den Himmel.Noch zwei Tage kamen mir die Ereignisse wie in einem verdammt üblen Film vor,dann ging es mir besser.
Meine Stimme kam wieder,zuerst unsicher,dann wagte ich mich zwischen die Mitpatienten und das Stationsteam.
Ich spürte schnell wieder den Himmel über mir und den Boden unter den Füssen.Das Rauschen,der Tinnitus ließ nach.
Die Psychologin der Station sprach mit mir über die Ereignisse,der letzten Wochen.
Schon zwei Tage später fuhr ich mit Fahrrad in den  benachbarten Bremer Künstlerbedarf.
Mit Leinwand und einigen etwas hochwertigeren Farben ging es dann recht fix in die Ergotherapie.
Die anderen Patienten der Station waren verändert aufgrund meiner schnell verbesserten Stimmung.



Der Alltag in einer Klinik wird häufig als sehr monton oder aber auch zu anstrengend beschrieben.
In meinem Fall geht es nicht um die Behandlung von Traumata,einer Borderline-Störung oder Depressionen nach einer zwischenmenschlichen Krise.
Meine Schwierigkeiten liegen in der Reizverarbeitung,im Gleichgewicht-Finden in sozialen Kontakten und im Haushalten mit eigenen Kraftreserven.Habe ich das gut im Griff,geht es mir relativ gut und das spüre ich in dieser Zeit auch.
Meine Zwänge verschwinden natürlich nicht einfach,zum Teil bringe ich sie hier unter,zum Grossteil finden sie in meinem Denken statt.Später,also zuhause mehr in der Handlungsebene,beides wirkt sich ermüdend aus und hält meine Depression aufrecht.
Im stationären Rahmen sind soziale Kontakte gegeben,in Form von (vielzuvielen)Mitpatienten und Personal,also muss ich mir dort eher ruhige Stellen aussuchen.Die ruhigste Stelle wäre natürlich zuhause,dort gilt es mehr Kontakt selbst aufzusuchen,mir gelingt beides schwer.
Beim Malen fragen mich viele,der umherlaufenden Patienten oder der Therapeut etwas,bin ich erstmal tief versunken darin dann antworte ich kaum noch oder nur sehr gereizt.
Es gilt auch hier ein Gleichgewicht zu finden,ein für mich gesundes Maß an Kontakt und Gespräch.
Praktisch für mich,über die Malerei steht das Thema schnell fest,denn nichts ist für mich sinnfreier als smalltalk und die tägliche Frage,wie ich geschlafen habe oder mich fühle.Wie fühlt man sich in einer Klinik ?Vielleicht ist diese Frage gerechtfertigt,denn es gibt Menschen,die einem helfen wollen an diesem Ort.
Mit dem Fahrrad fuhr ich gerne Nachmittags,nach den Therapien durch Bremen.
Ich bin der Meinung,dass das die beste Möglichkeit für mich ist,Spannung abzubauen.
Mir machte der Stadtverkehr anfangs Probleme,ich fluchte wieder,innerlich und äusserlich.Mit der Zeit wurde das besser.Meine Einstellung zur Aussenwelt hat sich verbessert.
Ich fand die nötige Ruhe und Konzentration zum Fotografieren,wenn auch nur mit einer einfachen Smartphonekamera.
Es gibt schöne Orte in Bremen,jenseits von Marktplatz,Schlachte oder Schnoor.
Eine Mitpatientin sprach vom Riensberger Friedhof und ich gab ihr den Tip,mal raus in die Wümmewiesen zu fahren.
An beiden ruhigen Orten war ich sehr gerne und mehrmals.

Das Leben ist eigentlich einfach dachte ich
an solchen Tagen.
Doch meine Stimmung kann so schnell 
kippen,da braucht es manchmal nur ein
Kommentar,eine Geste,ein lauter LKW oder Schwierigkeiten mit den Behörden,dass mein seelisches Fundament in sich zusammenfällt.
Mal puffer ich das besser,mal schlechter ab.
Die Wochenenden habe ich meistens zuhause verbracht.Samstags konnte ich ab 11 Uhr mit Strassenbahn und Zug in die "normale" Welt zurück.Das was ich davon in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Innenstadt erlebte,liess mich schnell wieder zweifeln am einfachem Leben.
Im öffentlichen Raum bin ich äusserst angespannt,mein Gang ist recht zügig,der Blick erfasst sovieles was für diesen Moment nicht wichtig ist.
 Kann man sich daran gewöhnen oder anpassen ?
Ich werde solche Situationen glaube ich nie einfach finden.
Unterwegs fehlt mir der ruhige Raum in mir selbst.
Selten fahre ich an unbekannte Orte,ungerne lasse ich mich zu Ausflügen überreden.Dass da einiges im Argen liegt ist mir durchaus bewusst,denn Ausflüge bereichern das Leben schliesslich auch.
An einem Wochenende,zuhause sprang mich förmlich die liegengebliebene Arbeit,Post und der Hund der Nachbarin an.Letzterer tut mir gut,denn Tiere haben eine beruhigende Wirkung auf mich.Sie dürfen zwar nicht in meinen Rückzugsort Wohnung,aber ausserhalb,gerne!
So steht auch direkt schon ein Gesprächsthema fest,nämlich jene schwarze,lebhafte Hündin.
An manchen Tagen ist sie sehr einsam dort oben in der Wohnung über mir.Ich hatte mal die Idee,zu fragen,ob ich sie mit in den Wald nehmen darf.
Dadurch könnte jedoch auch schnell Enttäuschung entstehen,wenn schwere Zeiten mich davon abhalten,so wie ich sie gerade erlebe.
Meine Nachbarin hat wenig Zeit für ihre Mitbewohnerin,die gerne draussen sein möchte.Zeit haben,das ist immer wieder Thema bei mir.
In der Klinik wurde an einem Nachmittag eine tiergestützte Therapie angeboten.Da beobachten und fühlen die Patienten mal das Fell eines Hundes,Meerschweinchens oder haben plötzlich ein Huhn vor sich stehen.
Tiere kennen keine Zeit,sie leben nicht nach einer strengen inneren Uhr denke ich oft.Das ist der Preis des menschlichen Bewusstseins und der ist enorm gestiegen,so kommt es mir vor,jenseits der 40 Lebensjahre auf diesem Planeten. 
Triste Klinik? Nee !
Auf dem Klinikgelände stehen sehr alte Bäume,die mich verträumt in ihr Blätterdach sehen lassen.
Es macht sehr viel aus,ob man an ein steriles Aussengelände oder eine parkähnliche Anlage gerät.
Für mich auch toll,für viele nicht,Rauchen ist nur draussen gestattet.
Auf der Station klebt also kein Nikotinschleier an den Wänden und eigenem Körper.

Noch im Oktober stehen überall Liegestühle,so kommt es,wie auf diesem Bild zu sehen,dass ich dort einfach in den Himmel starre und dabei wahrscheinlich lustig aussehe.
Unter der Glasglocke Psychiatrie fällt mir das leicht,zuhause würde ich diesen Liegestuhl wahrscheinlich nie belegen,weil es immer etwas scheinbar wichtigeres gibt.
Ist es nicht wichtig genug,dass es einem selbst gut geht ? Es ist mir sehr wichtig,doch der innere Teil,mein Über-Ich und die stereotypen Handlungen sind es leider auch.
Es braucht beides in meinem Leben und das nicht erst seit gestern.
Im Zweierzimmer habe ich einen sehr netten,gleichaltrigen Mitpatienten.Er leidet seit einem Trauma,vor einigen Jahren,an starken Zwängen.Zu seinen Spitzenzeiten verliess er seine Wohnung auch nicht mehr,weil der Zwang ihn nicht entliess in die Aussenwelt.Kommt mir bekannt vor.Wir verstehen uns sehr gut,selbst die Reinigungskräfte wundern sich,dass zwei Männer ein so sauberes Zimmer bewohnen,das in drei Minuten geputzt ist.
Jeder von uns beiden braucht spätestens zuhause auch wieder länger für das ewige Thema Sauberkeit und Ordnung.
Ordnung im Innern,Struktur und Halt.
Mein Nachbar kann kaum glauben,dass ich schon fast ein Leben lang so zwanghaft bin,ich erzähle ihm nur vorsichtig davon,er könnte hoffnungslos werden.
Hoffnung haben wir beide.
So kommt der letzte Tag dieses Klinikaufenthaltes.
Wie es der Zufall will werden wir am gleichen Tag entlassen.
Am Vortag packen also zwei zwanghafte zügig zusammen (das sind vier Worte mit -z-) ihre Taschen.
Schlaflos waren wir beide,der nächste Tag endet ausserhalb unseres so sicher erscheinenden Alltags in der Klinik.

Diese Zeilen schreibe ich knapp zwei Wochen später.
Ich sitze im Wohnzimmer,schaue über den Rand meiner Kaffeetasse auf den Balkon.
Die Ruhe der Klinik spüre ich noch und auch die Freude,wieder Intimsphäre,ein eigenes Bett und vor allem immer freien Ausgang zu haben.
Letzterer blieb mir neun Tage verwehrt zu Beginn dieser Zeit,zu Beginn einer Krise. 

Langsam wird es Winter und zurück bleibt sie,
die Erinnerung an eine gute Zeit.