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Mofa ...mal gefahren werden...



So gerne ich Fahrrad fahre, soviel Spass macht es mir auch,mal mit dem Mofa zu fahren.

Wenn man heute von Mofa spricht,denken viele an  Roller,die auf 25 km/h gedrosselt,mit lautem hochdrehendem Variomatikgeräusch,aber nur erlaubter Fahrradgeschwindigkeit unterwegs sind.
Wer jedoch,wie ich,in den Achtziger und noch Neunziger Jahren die Schulbank gedrückt hat,kennt die alten Fahrzeuge noch,die damals angesagt waren.
Zu jener Zeit war ich ausschliesslich mit dem Fahrrad unterwegs und überzeugter Naturschützer,ich habe damals schon Müll getrennt...Der Zweitaktgeruch von verbranntem Öl und das Motorengeräusch fand ich nicht so toll,aber insgeheim hätte ich doch auch gerne ein Mofa gehabt.


 Auf dem Rückweg von der Schule fuhr eine Mitschülerin immer mit ihrer Vespa-Ciao (das ist das Mofa auf dem Foto oben) nachhause.An guten Tagen hielt ich locker mit,nach dem Sportunterricht fiel es mir jedoch schwer, sie hingegen fuhr ganz entspannt nachhause.Einen Helm musste man schon damals tragen,das war wiederum ein Pro für´s Fahrrad.
Es gab Hercules Mofas,die etwas kastenförmiger aussahen und sportlicher,es gab Vespa Mofas,die Ciao und Bravo,die Si und Boxer,später die SuperBravo,die an eine kleine Enduro erinnerte.Alles war auf den Strassen Alltag.An den Tankstellen gab es noch Gemisch-Zapfsäulen,an denen man Tankmünzen einwerfen musste.Es gab zum Teil auch lustige Mofas,kleine Honda-Dax oder Mobyletten mit Riemenscheibe und Bananenauspuff.
Deshalb restauriere ich sie so gerne,weil ich sie noch gesehen habe im Alltag,sie fuhren an mir vorbei.Die Fahrzeuge werden seltener und Ersatzteile erst recht.Gemischzapfsäulen sehe ich fast gar nicht mehr.

Wie fährt sich ein Mofa ?
-Langsam ! Aber egal,es macht Spass.Man darf nicht erwarten schnell und völlig unkompliziert ans Ziel zu kommen.Die Hände sind schonmal etwas schmutzig vom Tanken (im Idealfall) oder (meistens) vom Nachstellen des Vergasers,oder Reparaturen auf dem Weg.Manchmal löst sich eine Schraube von der Vibration,oder der Auspuff rutscht vom Zylinder,all das kann passieren.Es kann einen auch plötzlich mitten in der Natur mal stehen lassen.Etwas Verständnis von der Technik kann dann nicht schaden....


Das Mofa fährt (wie) von selbst.Ohne Helm ,und mit beiden Füssen auf dem Rahmen, ist es in Deutschland aber verboten unterwegs zu sein .

Das Mofa muss genau wie der Roller jedes Jahr aufs Neue versichert werden,zumindest Haftpflichtversicherung .Das kostet um die 50 bis 60 Euro.Ein Versicherungsjahr beginnt immer am 1.März.Die Nummernschilder haben im Drei-Jahresrhythmus immer die Farben: Schwarz-Blau-Grün.Mit eingprägtem Jahr 




   
 Mofas dürfen nicht schneller als 25 km/h Geschwindigkeit erreichen (plus Toleranzgrenze 8km/h).Manche Oldtimer-Mofas fahren bauartbedingt etwas schneller,hier sagt die Polizei dann nichts. Friesieren,wie es im Fachjargon heisst ist natürlich tabu.
Früher ,so wie heute,werden Motoren verändert. Ein- und Auslass werden geöffnet,80 ccm Zylinder verbaut,Sportauspuff  gegen den leiseren Standard gewechselt .Damit können Mofas Geschwindigkeiten bis 90 km/h und zum Teil nochmehr erreichen.Auf die Strasse dürfen sie so natürlich nicht mehr. Für das Fahrzeug ist es oft der Tod,da der kleine Rahmen ,die Bremsen, wenn sie im Originalzustand bleiben ,bei weitem überfordert sind mit der Geschwindigkeit.

Mofarennen über die Alpen ! Alpenbrevet von Redbull

 Es gibt witzige Extrem-Rennen,wo getunte Mofas über die Alpen getrieben werden,wie den Redbull-Alpenbrevet und einige andere.Mir sträuben sich jedoch dabei Haare ,weil die Kolben heiss laufen ,die Kupplungen glühen und Ausfälle fest damit verbunden sind.Genau das gehört jedoch dazu !
Auch auf lokaler Ebene gibt es oft noch Mofarennen.Bei uns in der Nähe ist das jährliche Rennen in Lohne (bei Vechta) ein Muß !
Männer und Frauen haben gleichermaßen Spass daran ,etliche Runden über den Parcour zu drehen mit Rennmofas.Geschweisste Verstärkungsstreben,heisse Decors sorgen dafür,dass das Mofa ,vom Zweiradhändler damals gekauft,nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Leider werden auf diesem Wege aber auch viele Ersatzteile verheizt ...



 So fahre ich dann auch mal mit dem Mofa durch die Welt und mir kommt es dabei nicht darauf an,schnell unterwegs zu sein.
Ein bißchen lebe ich den Wunsch von damals aus,auch mal ohne Schwitzen auf zwei Rädern unterwegs zu sein .
An Tankstellen habe ich immer lustige Beträge auf der Anzeige der Zapfsäule stehen,von 3,93 Euro ,mit denen ich fast hundert Kilometer weit fahren kann.


Vielleicht bin ich damit recht einsam auf weiter Flur, aber mir ist es egal,wenn viele es für schräg halten, mir macht es einfach Spass !

Im Oktober 2016 kommen hier auf Seelenreise neue Fotos meiner Restauration eines Hercules Mofas ,Baujahr 1988 !
Ich habe dieses Fahrzeug " auf Achse" und eigene Gefahr von Porta Westfalica nachhause gefahren.Fünf Stunden, 100 Kilometer..... 

 



 


Scheunenfund - Hobby Restauration











Ich denke vor jeder Restauration " Das wird dann aber die letzte sein..." So sagt mein Verstand und der übrigbleibende Platz in meiner Garage.
Doch dann passiert es,meine Augen erblicken ein Inserat ,mit kleinem Foto,und von da an frisst sich dieses alte Schätzlein in mein Gehirn, lässt mich nachts nicht mehr schlafen.

Nach zwei Tagen ,länger habe ich es bisher nicht durchgehalten, rufe ich den Besitzer einfach mal an. Man(n) kann sich ja mal erkundigen, rein interessehalber.
Am anderen Ende der Leitung sind oft Menschen,die diese alten Zweiräder loswerden wollen, aus irgendwelchen Gründen,die mir jedenfalls erstmal egal sind.

Vor zwei Jahren habe ich zwei alte Mopeds von meinem Nachbarn geschenkt bekommen,habe ihm dafür eine Flasche Wein ,die schon ewig in meinem Keller lag,geschenkt.

So einfach ist es jedoch nicht immer.

Ein aufwändiges Projekt war "Charlotte" ,eine vierzig Jahre alte Mobylette aus Hannover.
Mir fiel sie auf, wegen dem Motor mit Bananenauspuff und Keilriemenscheibe,die sich emsig dreht,wenn sie läuft.

So sah sie damals aus :






...und so von hinten ...
Der Besitzer,ein junger Mann erzählte mir am Telefon, daß die Mobylette noch läuft, er aber jetzt etwas "Grösseres" fährt. Für mich durfte Charlotte ihre Eigenarten haben und dazu gehört,daß sie etwas langsam ist. Nun hatte ich leider keine Transportmöglichkeit und so fuhr ich mit Helm,Führerschein und hundert Euro bewaffnet los.Halt ! das Zweitaktöl hätte ich fast vergessen.So kam ich das erste mal in meinem Leben nach Hannover.Vor Ort schnackten wir noch eine Weile über Charlotte,bevor sie dann zu mir kam.Die spannende Aufgabe war nun,die Kiste über alle Strassen, bis nach Hause zu fahren.Wir lernten uns auf dieser Fahrt näher kennen.Mir fiel unterwegs immer mehr auf,was zu restaurieren wäre.Der Zustand war nicht sonderlich stabil, Charlotte war im Laufe der Jahre etwas schlapp geworden und pfiff aus dem letzten Loch.In Nienburg tankten wir auf und es fing an zu regnen.Kurz vor Ende unserer langen Fahrt löste sich eine Rückhaltefeder der Kupplung und ich musste mit der Hand, die sich drehende Scheibe auf die Achse drücken.Mein Handschuh fing fast an zu qualmen. Von da an verstanden wir uns.In den nächsten Tagen fing die Arbeit an.Die Mobylette musste zerlegt werden, jedes Bauteil musste erfasst ,mit den Originalteilen verglichen werden .Rost ,Ölkohle und viel Schmutz musste abgeschliffen und poliert werden.Der Motor ,das Herzstück ,hatte schlechte Kompression und lief unruhig.





Im Internet fand ich viele nützliche Informationen über Charlotte und fing an ,Ersatzteile und Werkstatthandbuch zu bestellen. Ich lernte eine Koryphäe in Sachen Mobylette kennen, ein älterer Herr,aus dem Sauerland.Es macht viel Freude,am anderen Ende der Leitung die Begeisterung und das Wissen,um die Zweiräder mitzuerleben.Eine Nebenwirkung von Zweiradrestauration,ist ,daß sie fast immer mehr Zeit und Geld benötigen,als geahnt.Aber,...es ist ja schliesslich das letzte Mal (denkt man sich dabei).

Wenn alle Teile gereinigt,in Funktion gesetzt oder ersetzt werden konnten ,kann die Montage beginnen.Oft müssen Bauteile nochmals wieder demontiert werden und alles wieder umgestellt werden.Bei einer meiner Restaurationen habe ich erst bei der Montage bemerkt,daß der Rahmen einen Haarriss hatte und somit musste ein neuer,mit neuer Betriebserlaubnis gefunden werden.Es dauerte einige Wochen,in denen ich schlaflos, und am Tiefpunkt angekommen war. Dabei muss ich an die Reklame von Hornbach -Baumärkten denken, "Mach es zu Deinem Projekt..." .An solchen Tagen bin ich nicht mehr von Freunden und Familie wiederzuerkennen,weil ich Panik habe ,ob ich das liebe Stück zu neuem Leben erwecken kann,oder alles umsonst war . Bei Charlotte dauerte es viele Wochen, es waren nochmals neue Ersatzteile aus Frankreich ,und einige Telefonate mit dem Sauerland nötig.

Es war an einem Tag im Oktober, ich hatte einige Liter Gemisch in den Tank gefüllt und versuchte ,Charlotte aus dem langem Schlaf zu befreien.Nach einigen Versuchen, sie hustete am Anfang, konnte der Motor wiederbelebt werden.Hier und da mussten nochmals die Schrauben nachgezogen werden,doch nochmal den Vergaser neu abstimmen und eine neue Zündkerze eingesetzt werden.


So sieht Charlotte nach einigen Monaten ( und Euros) heute aus:










(Anklicken zum Vergrössern der Fotos )
Ein kleines Geheimnis zum Schluss,...ich hab schon wieder in die Zeitung geschaut..

Restauration eines Exoten


Vespa SuperBravo 2
oder
zwei Gänge sind einer zuviel...

Es war wieder einer ,dieser verregneten Sommertage,ich saß mit einem Cappuccino vor dem heimischem PC und stöberte im Internet.
Ich könnt`schon wieder, (Restaurieren) habe ich gedacht...
Also schnell mal rein ,in die Kleinanzeigenbörse,und rein interessehalber nach alten Mopeds geschaut. So fing die Geschichte an,wie sie halt immer anfängt,wenn Rost runterpoliert,Motoren geöffnet, Bleche verschweisst und,ganz wichtig (!),Ersatzteile gefunden werden müssen.

Samstagnachmittag, irgendwo in Nienburg.
Der Verkäufer,ein junger Mann war sehr nett,aber am Preis konnte ich trotzdem nichts machen.
" Wo hast Du die Ersatzteile immer gefunden ?" frug ich ihn,weil das gute Stück immerhin über 20 Jahre alt ist.
" Ja, musste mal bei ebay gucken,da gibt es alles, was Du so brauchst."
Mir gefiel das eigenartige Aussehen irgendwie,so eine rot-schwarze Kiste hat nicht jeder.

Bevor ich einige Scheine aus der Tasche holte, wollte ich zur Probefahrt starten, und,ich bekam die gute Piaggio gar nicht zum Laufen. Der linke Bremshebel war ein Kupplungshebel,der in drei Positionen gedreht werden konnte. Das war mir neu, ich hielt die SuperBravo für ein Gefährt mit Automatikkupplung, wie es in den Achzigern so üblich war für Piaggiomofas.
Der Besitzer bekam es zum Laufen ,ich später auch (nachdem ich auf allen Ampelkreuzungen für Stau sorgte)
Sie war sehr laut und ziemlich lahm und wollte fleissig geschaltet werden,mit ihren zwei Gängen.Trotz allem, fuhren wir beide die Strecke nachhause, immerhin 45 Kilometer ,gemeinsam.Ich holte vor der Fahrt schnell noch ein Versicherungskennzeichen,für alle Fälle.

Beim Tanken stellte ich fest, daß das Mofa viel Arbeit bereiten wird, denn sie sprang nicht mehr an. Ich schob und trat in die Pedale, bis ich völlig durchgeschwitzt,endlich wieder ein Lebenszeichen vom Motor hörte.
Den Rest der Fahrt meisterten wir,trotz Gelächter auf den Strassen, über den langen Kerl,auf dem rot-schwarzen Rasenmäher...

Dann kamen schlaflose Nächte und Tage, in denen ich mir Informationen über dieses Gefährt ,hier im Netz ,holte. Bei ebay fand ich keine Ersatzteile,weil genau der zweite Gang zuviel ist. Das Moped wurde nur kurz und in kleiner Anzahl auf den Markt gebracht.
Während der weiteren Suche,zerlegte ich sie ,in alle Einzelbestandteile.
Ich fing an ,Öl abzutrennen,Rost zu polieren, mit Stahlwolle und WD40 ins Gefecht zu Ziehen.


Der Tank war aus Plastik,praktisch,denn die Tanks können von innen total angerostet sein.
Dafür war der Benzinhahn undicht...

Im Vespa-Forum fand ich weitere Informationen, über Motor und Kupplung.
In Holland bestellte ich einen neuen Zylinder/Kolbensatz.
Bei meinem Händler um die Ecke, neue Bereifung, Lenker .
Er hatte sogar noch einen guten Auspuff,den ich mit zwei Schweisspunkten,passend machen konnte. Die Plastikteile säuberte ich mit Kunststoffpflege.Der Rahmen und die Metallteile wurden neu lackiert.
Die Sitzbank und die Kupplung waren definitiv nicht mehr zu Retten.
In Bremen, bei meiner (geheimen) Quelle für seltene Piaggio-Teile,fand ich eine neue Sitzbank (zu hohem Preis, Altes ist rar)

Dann kam die nächste Krise ,der Unterrahmen war verzogen,das Hinterrad lag ziemlich schräg in dem Rahmen.Die Kupplung war hinüber, bei der Demontage hüpften vier Federn fidel durch meine Garage.



Ich hatte Gedanken ans Aufgeben ,an ein Ende aller Mühen, da fand ich,in nächtelanger Recherche ,einen alten Unterrahmen und Kupplung ,bei einem Schrotthändler in Augsburg.Der Herr beruhigte mich,mit seinem bayerischen Akzent sehr,als er mir die Teile raussuchte. Beunruhigend war nur der Preis.Aber...man gibt ja alles für das geliebte Hobby.

Der Rahmen wurde neu lackiert und war in besserem Zustand,als der alte,verzogene.
Solche Rahmen deuten immer auf Unfälle oder "Umfälle" hin.
Bei der Kupplung konnte ich aus zweien ,eine machen.Noch einen Keilriemen bestellt und eine neue Tretachse aus der Nähe von Stuttgart ,und das Projekt ging vorran.

Dann kam der Tag der ersten Wiederbelebungsversuche, es klappte natürlich nicht,wieder Motor ausbauen, Dichtungen und Einstellungen überprüfen ,zusammenbauen.
Irgendwann im Herbst fing meine SuperBravo2 an zu husten,und nach dem Husten kam ein Lebenszeichen vom Motor.Die ersten Probefahrten lenkten viele lächelnde Blicke meiner Nachbarn auf uns.Ein Junge aus der Nachbarschaft saß mit hinten drauf und wir fuhren immer wieder durch die gleichen Strassen.

Die Restauration war erfolgreich,für meinen Geldbeutel wohl weniger...
Dann stand sie lange in der Garage,war nach einem Winter wieder tot,der Vergaser war dicht.
Das schönste Erlebnis,war die Zeit der Restauration, es gab Höhen und Tiefen, Aufgeben und ums Projekt-Kämpfen, wie in der Hornbachreklame ...Mach Dein Ding.
Ich nannte sie Moppel , sie blieb noch eine Zeit, dann verkaufte ich sie ,mit zwei Gängen,statt einem...